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Kein Service für Behinderte

Am Bahnhof in Weiden: Die Helfer vor Ort wurden jetzt abgezogen

Wer behindert ist und mit der Bahn fahren will, hat es eh nicht leicht. Und in Weiden am Bahnhof wird es jetzt noch schwieriger. Die Bahn hat die Servicekraft, die Leute mit Behinderungen vor Ort betreut hat, abgezogen.

Von Angela Sonntag
Weiden. Für Menschen mit Behinderung ist es meist nicht möglich, problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Die Deutsche Bahn stellte deshalb an den Bahnhöfen, die noch nicht barrierefrei sind, Servicemitarbeiter für Reisende mit Behinderungen bereit. Jetzt aber wurden die “Helfer” vor Ort in Weiden von der Bahn abgezogen. Der Weidener Bahnhof ist aber nicht barrierefrei und soll auch in nächster Zeit nicht umgebaut werden.

Wer trotzdem als Behinderter mit der Bahn reisen muss oder will, muss sich um Hilfe zu erhalten, extra anmelden - und das mindestens 24 Stunden vor Reiseantritt. “Es war immer jemand vor Ort, der helfend zur Seite stehen konnte, falls es Zeitverschiebungen oder Verspätungen gab”, so Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter bei der Stadt Weiden. “Jetzt sind die Leute in solchen Fällen darauf angewiesen, dass es hilfsbereite Passanten gibt.”

Umständlich

Die Hilfeleistung muss also einen Tag vorher bei einer Hotline oder im Internet angemeldet werden. Die Telefonleitungen sind allerdings nur von Montag bis Freitag 8 bis 20 Uhr, samstags 8 bis 16 Uhr und sonntags gar nicht offen. Wer also am Montag mit der Bahn fahren will, muss dies am Samstag bis um 16 Uhr schon ganz genau wissen. Der neue Serviceablauf gilt seit 1. September. Und Alexander Grundler liegen bereits Fälle vor, in denen es trotz Einhaltung der genannten Anmeldemodalitäten zu Problemen kam. “Ein sehbehinderter Reisender sollte neulich am Weidender Bahnhof von den angeforderten Servicemitarbeitern empfangen werden. Als er ankam, war keiner da”, erzählt Grundler. “Meiner Meinung nach herrscht bei der Bahn ein ziemliches Kommunikationsproblem”, sagt der Behindertenbeauftragte weiter. “Schließlich muss auf Verspätungen und Verschiebungen schnell reagiert werden, was bis jetzt nicht reibungslos funktioniert.” Alexander Grundler will nun alle Fälle, in denen der Service nicht funktioniert hat, sammeln und nachforschen, was bei der Bahn schief läuft. Dazu appelliert er an die Menschen, die den Service angemeldet haben, sich unbedingt Uhrzeit und Datum der Kontaktaufnahme mit dem Mobilitätsservice, den Namen des Bearbeiters und die Zugverbindung aufzuschreiben. Grundler: “So können die Anmeldung genau überprüft und eventuelle Missstände gefunden werden.”

Vonseiten der Bahn wird der Abzug der Servicekräfte damit erklärt, dass sie nicht so oft zum Einsatz kamen. “Die Mitarbeiter in Weiden wurden nur drei- bis viermal pro Woche benötigt, deshalb werden solche Servicekräfte jetzt in Nürnberg zentralisiert und auf Anfrage eingesetzt”, so Franz Lindemair, Sprecher der Bahn in Bayern. Von eventuellen Problemen wisse man bis jetzt noch nichts.

Bessere Lösung

Eine weitere Erleichterung für mobilitätseingeschränkte Reisende wäre auch der Umbau zu einem barrierefreien Bahnhof, wie es ihn bereits in Nürnberg oder Regensburg gibt. “Das wäre natürlich die idealste Lösung”, erklärt Alexander Grundler. Aber die Bahn zieht nicht mit, beziehungsweise vertröstet auf längere Zeit. Die Stadt Weiden hat bereits versucht, einen Umbau selbst in die Hand zu nehmen, allerdings sind die Möglichkeiten sehr gering, da der Bahnhof Eigentum der Deutschen Bahn ist. Die behinderten Menschen müssen also weiterhin “zweiter Klasse fahren”. Alexander Grundler: “Nach Auskünften der Bahn soll so ein Umbau, wenn überhaupt, nicht vor 2011 oder 2012 stattfinden.”
 

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