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Noten sagen nicht alles

Pflegeheime jetzt bundesweit bewertet - Kritik an Gewichtung

Pflegeheime haben einen schlechten Ruf: Zu teuer, zu wenig Personal, schlechte Versorgung. Kein Wunder, dass viele Angehörige verunsichert sind, wenn sie auf der Suche nach einem Heim sind. Orientierung sollen die neuen Pflegenoten geben. Sie werden von Prüfern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) vergeben. Die Noten sind allerdings umstritten - auch, weil zwei Drittel der bislang getesteten Heime gute Bewertungen bekamen, Experten aber sehr wohl Mängel feststellen. 

Seit Anfang Juli 2009 läuft die Prüfung der bundesweit rund 10 300 Pflegeheime. Bereits im Dezember sollten die Ergebnisse für die ersten 1057 Einrichtungen im Internet stehen, sagt Ann Marini vom GKV-Spitzenverband in Berlin, der Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen.

Unter www.pflegenoten.de bekommen Verbraucher Informationen zu den Pflegenoten. Die Ergebnisse werden in zwei Formen veröffentlicht. Basis der Noten sind 82 Einzelbewertungen. Auf “Pflege” entfallen zum Beispiel 35 Kriterien, auf “Soziale Betreuung” 10.

Trügerischer Mittelwert

Bei der Pflege wird unter anderem geprüft, ob der “Ernährungszustand angemessen” ist, im Bereich “Soziale Betreuung”, ob es Gruppenangebote gibt. Aus allen Bewertungen eines Bereiches wird der Mittelwert errechnet. 7,5 bis 8,7 entspricht der Note zwei. Diese Berechnung steht in der Kritik. Denn der Schutz vor Wundliegen zählt für die Endnote genauso viel wie ein gut lesbarer Speiseplan. “Die Kriterien sind nicht gewichtet”, erklärt Eckart Schnabel, der wissenschaftliche Geschäftsführer des Instituts für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund. “Es gibt aber Kriterien, die viel wichtiger sind als andere.” 

Laut Schnabel sind Befragungen von Bewohnern zu ihrer allgemeinen Zufriedenheit wenig aussagekräftig. In der Regel äußerten sich Menschen viel positiver, als es ihrer Situation entspricht. Schnabel rät: “Gehen Sie in das Heim und reden Sie selbst mit Bewohnern und Personal und verschaffen Sie sich einen persönlichen Eindruck.”

18.01.2010  | Der Neue Tag

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